immer diese Kritiker!

"Pepsie", Sommertheater Winterthur

Der Landbote Winterthur, 27.08.2008

Prickelnde Leichtigkeit des Seins (Stefan Busz)

Pepsie ist ein Glückskind. Aber haben Glückskinder auch Glück? Das mit dem Glück, sagt Pepsie, ist wie im Nudeltopf: Um zu prüfen, ob die Nudeln schon gar sind, hebt man eine mit dem Schaumlöffel heraus – welche es sein wird, bestimmt der Zufall. Pepsie selber gehört in Sachen Glück zur Kategorie der Nudeln, die im Topf immer unten bleiben. Mit ihr aber finden andere zum Lachen, das verloren gegangen ist, zurück.

„Pepsie“ heißt denn auch die Komödie der französischen Schauspielerin Pierrette Bruno, die nun, befördert durch Philippe Roussels Regie, im Sommertheater am Montag zur Premiere gekommen ist. Das Stück hat seine ganze Frische behalten, auch wenn die Pariser Erstaufführung mehr als vierzig Jahre zurückliegt.

Das liegt natürlich an Pepsie selber, die sich aus dem Moment heraus erfindet. Schauspielerin, Animierdame, Ehefrau, alles ist für sie eine Rolle. Und als ein Architekt sie einlädt, mit ihm die Nacht zu verbringen, spielt sie (nicht nur) ihm dann alle drei perfekt in Personalunion vor – ein Glücksfall für den Mann, der sonst für Theater, Bett und Tisch je eine Frau vorgesehen hat. Pepsie ist aber ganz anders, eine liebenswerte Frau. Sie verstellt sich nur fürs Leben gern. Um geliebt zu werden. Wo wir schon beim großen Theater sind. Frappierend sind die Wendungen, die diese auf den ersten Blick so sommerleichte Komödie nimmt: bis hin zu fast tragischen Momenten. Pepsie macht aber alles wieder gut, ihr Lachen ist so fein und kostbar wie Champagner – nicht umsonst hat sie eine Wette mit der Witwe Clicqout noch offen. Und bald trinken auch die anderen mit ihr mit.

Pepsie ist Helga Reichert. Sie bringt mit ihrem helläugigen Spiel das Glück auf die Bühne zurück. Zauberhaft ist, was diese Darstellerin mit den Menschen rund um sie macht. (…)

Auch im Publikum erklingt dann und wann ein Veuve- Clicqout- Lachen, dieser Pepsie sind eben alle verfallen. (…)

Pepsie aber bleibt unten im Topf, ohne Geld und ohne Liebe, auch wenn ihr die eigene Komödie den Ausweg lässt: sie wird am grossen Theater engagiert – wo wir an diesem Abend mit diesem Spiel schon waren.